Selbsthilfegruppe

Schwule Väter und Ehemänner

Waldschlösschen 2013

55. Vätertreffen

oder

Unser erstes Mal

Als ich mich vor 10 Jahren outete und bald darauf mit meinem Helmut zu einer Selbsthilfegruppe ging bekamen wir auch die ersten Storys vom der Akademie Waldschlösschen zu hören. Die Worte waren nicht gerade positiv, außerdem waren wir ja zu zweit, geoutet waren wir auch – also was sollten wir da? So zogen die Jahre ins Land. Die Gruppe haben wir verlassen – eine neue wurde gegründet. Bisher hatte Uwe unsere Gruppe immer im Waldschlösschen bei den Vätertreffen vertreten. Aber Uwe zog es gen Nordrheinwestfalen ins schöne Bielefeld (sagt er). Was nun? Ich meldete mich Anfang des Jahres zum Vätertreffen oder wie es offiziell heißt „Zwischen den Welten“ an. Helmut natürlich auch. Oh Wunder: Wir bekamen gleich eine Zusage. Die Wochen zogen ins Land. Viel ist in dieser Zeit bei uns passiert. Und dann bekamen wir das Programm zum Vätertreffen, das dieses Mal die Hamburger Vätergruppe ausrichten sollte. Lassen wir uns mal überraschen, dachten wir. Das Programm, welches wir per Mail bekamen, war vielfältig. Aber wir waren bedingt durch die vergangenen Wochen so kaputt, dass wir eigentlich nur relaxen wollten. Dass Uwe mit dabei sein würde, war für uns selbstredend. Von unserem neuen Gruppenmitglied Martin hörten wir. Dass er auch dahin fährt.

Dann war es soweit: Donnerstagabend 02.05.2013. Kofferpacken – puh, wenn zwei Schwule drei Tage unterwegs sind, das gleicht schon fast einem Auszug. Aber wir haben es geschafft und sind tatsächlich pünktlich am nächsten Morgen um 08:00 Uhr gestartet. In Ruhe fuhren wir gemächlich gen Reinhausen (Benzin ist teuer). Trotz einer Frühstückspause waren wir schon 11:30 Uhr am Ziel – und das mit zunehmendem Sonnenschein. Herrlich. Die Koffer wurden erst einmal im Auto gelassen – mal sehen was uns erwartet. Zwar kannten wir das Waldschlösschen von verschiedenen Seminaren, aber das hier war etwas Anderes. Wir schauten wo es nun lang geht und faden eine offenen Pforte. Sogleich wurden wir auf einer netten Art und Weise, von Wolfgang, dem Gruppenleiter der Hamburger Vätergruppe wie sich heraus stellte, empfangen. Da wir auch zu den Neuen gehörten (das erste Mal zum bundesweiten Vätertreffen – wir kamen uns wie Exoten vor) bekamen wir einen Paten zugewiesen. Wie hätte es anders sein können: Es war Uwe! Als einer der Workshopleiter war er natürlich schon einen Tag vorher angereist und hatte auf der Gästeliste unsere Namen gelesen. Trotzdem gab es ein großes „Hallo“. Wir hatten uns schon über fünf Monate nicht gesehen. Nach den ersten Einweisungen kamen noch die nächsten Begrüßungen. Auch Claus und Carsten aus unserer Gruppe waren hier. Kurze Zeit später trafen wir noch Helmut und Jan, die wir noch von der früheren Gruppe kennen. Das Wiedersehen war herzlich und schön. Und noch einen sollten wir wiedersehen: Norbert von der Hamburger Gruppe. Vor drei Jahren haben wir ihn verschüchtert bei Fred aus unserer Gruppe kennen gelernt und nun trafen wir auf einen selbstbewussten schwulen Mann.

Schon gab es Mittagessen und bald darauf eine Einweisung für die Neuen. Wir waren auch dabei *grins*.  Als Neue durften wir uns als erste für die Workshops eintragen. Probleme wollten wir nicht wälzen, deshalb wählten wir für Freitagnachmittag eine Einweisung in Shiatsu, ein japanische Massagetechnik. Von dem Gelernten kann man einiges gebrauchen. Ich werde sicher einiges für mich anwenden.

Nach dem Abendessen gingen einige von den 80 Männern in die Sauna. Der überwiegende Teil nahm an Spielen teil, die im Speisesaal auf den Tischen aufgebaut wurden. Die Hamburger nannten es ihren „Hamburger Dom“. Zu gewinnen gab es auch einiges. Helmut und ich zogen es aber vor etwas zu klönen. Der eine oder andere kam auch dazu und so wurde es eine nette Runde. Mitternacht war schnell erreicht und nun ab ins Bett . . .

Samstagmorgen. Nach einem reichhaltigen Frühstück ging es zum nächsten Workshop: Bachata tanzen. Wir wollten ja relaxen. War wohl nix! Das war echt anstrengend und es erforderte volle Konzentration. Spaß gemacht hat es trotzdem. Vielleicht können wir einige der gelernten Figuren bei unserem Tanzen mit einbauen. Nach dem Mittagessen folgte noch ein Spaziergang im Sonnenschein. Dann Kaffeepause und  zum nächsten Workshop: Gebärdensprache – auch hier war volle Konzentration erforderlich. Es wurde ein Lied einstudiert. Jawohl ein Lied vorgetragen mit den Händen. Wir waren ganz schön geschafft als es dann zum Abendessen ging. Nach einer kurzen Verschnaufpause begann der Höhepunkt der Veranstaltung: WSDSMS – Waldschlösschen sucht den Super Musical-Star.

Schon am Freitagmittag bekamen wir Aufkleber mit Nummern. Diese sollten wir uns nun aufkleben. Mit einem Glas Sekt wurden jetzt freundlich empfangen und durften den Saal betreten, um uns einen Platz zu suchen. Einiger der Hamburger Gruppe steckten in aufwendigen Musical-Kostümen und der Saal war bunt geschmückt worden. Am anderen Ende war eine Bühne aufgebaut. Die Show begann recht pünktlich – das ist bei Schwulen nicht selbstverständlich! Und dann wurde uns ein unglaublich perfektes Programm dargeboten. Leider kann ich nicht alles wieder geben. Die Akteure waren souverän und ein Auftritt folgte dem anderen. Es war einfach eine tolle Show mit viel Glamour und Esprit. Man hat alles um sich vergessen. Klasse gemacht. Leider war die Show nach einer Stunde zu Ende. Wir hätten noch weiter schauen können. Mit viel Applaus wurden die Macher der Show bedacht. Sie hatten es sich redlich verdient. Nach einer Zugabe wurden wir von allen Akteuren zum Tanzen geholt. Nahtlos ging die Show in einer Disco über. Die Stühle verschwanden wie von Zauberhand. Der DJ Frank spielte einen bekannten Song nach dem anderen, was die eh schon gute Stimmung weiter anhob. Bis weit nach Mitternacht wurde gefeiert.

Am nächsten Morgen waren trotzdem alle pünktlich beim Frühstück. Die Zimmer mussten geräumt werden und die letzten Workshops begannen – für mich das Regionalleitertreffen. Es war schon interessant zu erfahren, wie es den anderen Gruppen in Deutschland zu geht. Es gab noch das Abschlussplenum und ein letztes Mittagessen. Nach etlichen Abschiedsumarmungen konnten wir mit ausschließlich positiven Gefühlen den Heimweg antreten.

Natürlich ist dieser Bericht eine subjektive Betrachtung. Andere haben in den anderen Workshops viele Gespräche geführt und sehen dieses Wochenende mit ganz anderen Augen. Für jeden war etwas dabei. Auch gab es unter den Neuen einige die mit den vielen Schwulen und deren Lebensfreude zum Teil überfordert waren. Hier gab es aber immer Hilfestellungen in Form von Gesprächen mit den zuständigen Paten. Auch wenn nicht jede Veranstaltung wie diese ist, so kann ich doch jedem frisch geouteten schwulen Vater raten hier her zu fahren. Es lohnt sich – auch wenn die Emotionen manchmal hoch kochen. Ich selber kann nur sagen, dass das 55. bundesweite Vätertreffen eine gelungene Veranstaltung war. Neidlos muss ich feststellen, dass die Hamburger eine für mich perfekte und gut durchorganisierte Veranstaltung dargeboten haben. Hut ab und ein großes Dankeschön.

Norbert

PS

Mehr zum Waldschlösschen und den anderen Veranstaltungen findet ihr unter www.waldschloesschen.org

Mehr zu den einzelnen Vätergruppen kann man unter www.schwule-vaeter.org finden.