Selbsthilfegruppe

Schwule Väter und Ehemänner

Düt oder dat? Beides.

:Bi-Männer: Von dem Glück oder Unglück, Männer und Frauen zu lieben.

Alle wollen mir einreden, dass ich mich entweder für Männer oder für Frauen entscheiden muss, erzählt der 36-jährige Heinz, der ansonsten eigentlich einen ganz glücklichen Eindruck mit seiner Sexualität macht. Doch die Gesellschaft hat ganz unterschiedliche Probleme mit bisexuellen Menschen (siehe Interview). Aussagen wie Er schläft lieber mit Männern, möchte aber später heiraten und Kinder haben oder Was ihm ein Mann nicht geben kann, bekommt er bei einer Frau verunsichern viele, die sich selbst nur von einem Geschlecht körperlich angezogen fühlen. Oft wird die Zeit zwischen den Ufern als Phase und nicht als eigenständige Sexualität angesehen – was in Beziehungen fast immer zu Unsicherheiten, Ängsten und emotionalen Wunden führt.

Jüngere Generationen stellen sich dieser Art der Sexualität weit lockerer; demnach ist auch die Zahl der offen Bisexuellen bei den unter 30-Jährigen vergleichsweise hoch. Doch ältere Bisexuelle stecken in den alten Gesellschaftsmustern fest. Wie der 70-jährige Hans und der 45-jährige Christoph, mit denen sich hinnerk-Autor Oliver Pries unterhalten hat.

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Zwei Wanderer zwischen den Welten

Als Hans 15 Jahre alt war, da war es da, dieses Verlangen nach seinem besten Freund. Geschehen ist damals nichts. Zehn Jahre später hat Hans geheiratet, dann kamen die 40 Jahre mit seiner Frau.

Die Ehe war glücklich, erzählt er. Zwischendurch hatte ich Affären, mit Männern und mit Frauen. Ich lebe zwischen den Welten. Heute ist Hans über 70 und hat seinem besten Freund endlich seine Lust auf ihn gestanden.

Aber nicht einmal nach dem Tod seiner Frau lebt Hans seine Bisexualität offen aus. Denn außer seinem besten Freund weiß bis heute niemand in seinem Umfeld, dass Hans es auch ganz gern einmal mit Männern treibt. Keiner weiß von seinen amourösen Geschichten, die er als Sexsklave in Spanien und Portugal erlebt hat.

Der ehemalige Kaufmann hat sein Sexleben strikten Regeln unterworfen. Wenn es manchmal ernster wurde, habe ich mich immer zurückgezogen. Ich bin nicht auf der Suche nach einer Beziehung. Die hat Hans lange genug gelebt. Durch die Hochzeit hatte ich plötzlich nur noch Kontakt zu Eltern mit Kindern. Potenzielle Sexpartner ließen sich im Bekanntenkreis schwerlich finden. Anonymer Sex in dunklen Kinos war der Ausweg; die Szene in seiner Heimatstadt Hamburg hat Hans aber nur selten aufgesucht. Das Verlangen nach Sex ist mir nämlich eigentlich viel wichtiger, als ihn tatsächlich auszuleben, lautet seine Erkenntnis.

Das sieht Christoph ganz anders. Drei Jahre lang war der Hamburger mit einer Frau verheiratet, hat mit ihr einen heute 16-jährigen Sohn, der beim Vater lebt. Meine Ehe scheiterte an meiner Bisexualität, meine Frau hatte kein Verständnis dafür, erinnert er sich. Als ich merkte, dass ich auf Frauen und Männer stand, war das ein ganz schön mieses Gefühl. Nach der Trennung von seiner Frau lebte er einige Monate mit einem Mann zusammen – doch auch diese Beziehung zerbrach. Seitdem ist Christoph von Zeit zu Zeit in der schwulen Lederszene unterwegs und stößt auch unter anderen Männern, die Männer lieben, auf Ablehnung. Wenn ich erzähle, dass ich ein Kind habe, kommen schon manchmal so Sprüche wie ‚Papi brauchts wohl mal wieder besorgt.

Am schlimmsten aber ist für Christoph der Vorwurf, sich nicht zwischen den Geschlechtern entscheiden zu können. Denn im Gegensatz zu anderen Bisexuellen, die ihr vermeintlich freies Sexleben in vollen Zügen genießen, mag sich der 45-Jährige über seine Bisexualität nicht wirklich freuen. Ich mag Männer und Frauen, und ich mag Sex mit Männern und mit Frauen. Aber dass das so ist, habe ich noch nicht akzeptiert. Dabei lebt der gelernte Handwerker seine Bisexualität bereits seit über zehn Jahren aus. Wenn Christoph von seinen Gefühlen spricht, schildert er emotionale Wechselbäder. Mein sexuelles Verlangen verläuft phasenweise, erklärt er, einige Wochen stehe ich vielleicht nur auf Frauen, dann plötzlich nur noch auf Männer. Das kann einen ganz schön runterziehen.

Oliver Pries

Bericht aus dem Hinnerk